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  Sonntag - 07.01.07  
 
Lázló Ede Almásy
Der Englische Patient?

Lázló Ede Almásy wurde am 22. August 1895 auf Schloss Bernstein geboren. Die Stadt hieß damals Borostyánkó und gehörte zum Königreich Ungar. Seit 1921 gehört die Stadt Bernstein zu Österreich. Lázló gehörte zu einer Adelsfamilie ohne Anspruch auf einen Titel – Graf.

Er interessierte sich schon sehr früh für den Motorsport, jedoch erwarb er seine erste Pilotenlizenz erst während seiner Schulausbildung in England. Im ersten Weltkrieg diente er als Fliegerpionier für die österreichisch-ungarischen Monarchie. Für seine Taten erhielt er zahlreiche Auszeichnungen. Nach dem Krieg war er starker und bekennender Royalist. Er unterstützte den damaligen Habsburger König Karl IV bei seinen Wiedereinsetzungsversuchen. Zweimal fuhr er ihn sogar persönlich nach Budapest. Es wird vermutet, dass ihn König Karl IV ihn unoffiziell zum Grafen ernannt hat, da er außerhalb von Ungarn diesen Titel benutzt hat.

Ab 1921 arbeitete Almásy als Vertreter für die Automobilwerke Steyer im ungarischen Szomathely und gewann für sie zahlreiche Autorennen. Außerdem organisierte er Jagdreisen nach Ägypten. 1926 fuhr er als erster Forscher mit dem Auto dem Nil entlang in den Sudan. In den kommenden Jahren kam er öfters zum Jagen und Forschen wieder dorthin zurück. Almásy demonstrierte die Widerstandsfähigkeit der Steyer-Autos im Jahr 1929, als er mit zwei Steyer-Autos seine erste Expedition nach Ostafrika, in den Sudan und nach Ägypten leitete. Ein österreichischer Filmmacher, Rudi Mayer, drehte einen Film über diese 12.000 kilometerlange Reise.

Almásys Sehnsucht nach der Wüste verstärkte sich und führte in den dreißiger Jahren schließlich dazu, dass er auch andere Forscher zu überreden versuchte mit ihm die Geheimnisse der Libyschen Wüste zu lösen. Im Jahr 1932 unternimmt Almásy zusammen mit Sir Robert Clayton-East-Clayton, dem Oberleutnant H.W.G.J. Penderel der Royal Air Force und Patrick Clayton eine Expedition. Das Ziel ist die legendäre Oase Zarzura, auch Zerzura genannt, zu finden. Es war außerdem die erste Expedition die Mithilfe eines Leichtflugzeuges durchgeführt wurde. Mit dem Flugzeug von dem Typ de Havilland Gipsy Moth I konnten Aufklärungsflüge durchgeführt werden. Bei einem solchen Flug entdeckte er auf der Hochebene des Gilf Kebir zwei Wadis. Patrick Clayton fand diese im folgenden Jahr wieder, als er im Rahmen einer Expedition eine Karte von dem großen Sandsee anfertigte und dabei einen Umweg zum Gilf Kebir unternahm.

Die junge Witwe Lady Dorothy Clayton kam ebenfalls in die Wüste. Ihr Mann starb 1932 am Biss einer Wüstenfliege im Gilf Kebir. Sie begleitete Patrick Clayton ab Kufra zu seinem zweiten Besuch der Täler Abd-el-Malik und Hamra und kehrten dann nach Kairo zurück. Sie hatten die Oase am gleichen Tag verlassen, an dem Almásy in Kufra angekommen war.

Während der Almásy-Penderel-Expedition im Jahr 1933 fand Almásy den Weg in das dritte Teil der Oase Zarzura, nach Wadi Talh. Das wichtigste Resultat war jedoch die Entdeckung der prähistorischen Felsbilder in der Region von Unweinat und im Gilf Kebir. In den folgenden erforschte er zusammen mit dem Orientalisten Leo Frobenius das Gilf Kebir, den großen Sandsee sowie das Wadie Hauar in dem Sudan. Er arbeitete nebenbei als Fluglehrer in Ägypten.

1934 veröffentlichte Almásy, von seinen Beduinenfreunden Abu Ramla („Vater der Sande“) genannt, in Budapest ein Buch unter dem Titel „Az insmeretlen Szahara“. Er schrieb es auf deutsch unter dem Titel „Unbekannte Sahara. Mit Flugzeug und Automobil in der Libyschen Wüste“ und veröffentlichte es 5 Jahre später in Leipzig. Es enthält Berichte der meisten seiner sensationellen Entdeckungen.

Im Jahr 1939 kehrte er nach Ungarn zurück, da es ihm nicht weiter erlaubte wurde in Ägypten zu bleiben. In Budapest wurde er von der deutschen Abwehr aufgespührt und als Reserveoffizier der ungarischen Luftwaffe dazu verpflichtet, dem deutschen Afrikakorps beizutreten. Er diente dem Feldmarshall Erwin Rommel 1941 und 1942 als Wüstenexperte und führte geheime Missionen durch. Heute ist bekannt, dass Almásy im April und Juni 1942 zwei deutsche Geheimagenten in britisch kontrolliertes Gebiet schmuggelte. Bei dieser Mission trugen sie deutsche Uniformen, obwohl sie Amerikanische Autos mit deutschem Zeichen benutzten. Auf dem selben Weg fuhr er auch den deutschen Agenten Hans Eppler und seinen Freund Brandenburger nach Kairo. Er wurde von Rommel zum Major ernannt. Außerdem erhielt er für seine Fahrten das „eiserne Kreuz“. Trotz allem war Almasy kein Nazi. Am Ende des zweiten Weltkrieges hat er angeblich Nachrichten an die britische Front geliefert. Seine Rolle im zweiten Weltkrieg wird nie ganz geklärt werden.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde er vom Volksgericht in Budapest festgenommen und verurteilt. Nach monatelangen Befragungen und Folterungen wurde er schließlich freigelassen. Es wurde ihm sogar erlaubt nach Ägypten zurück zukehren. Er hatte sich gewünscht dort seine wissenschaftlichen Forschungen fortzusetzen. Kurz nach seiner Ernennung zum Direktor des Institutes für Wüstenforschung in Kairo besuchte er Europa und unter anderem Salzburg. Dort erlag er am 22. März 1951 in einem Krankenhaus an den Folgen einer amöbischen Dysterie (Ruhr). Begraben wurde er am Kommunalfriedhof in Salzburg. Die Inschrift seines Grabes ehrt in als „Pilot, Saharaforscher und Entdecker der Oase Zarzura“

In dem Roman „der englische Patient“ ist Almásy die Vorlage seines Vitas. Jedoch hat diese Figur mit Almásy sehr wenig zu tun. Vor allem da Almásy Lady Clayton niemals getroffen geschweige den ein Verhältnis mit ihr hatte. Es ist allseits bekannt, dass Almásy an Frauen keinerlei sexuelles Interesse hatte. In dem Buch stirbt Almásy auch an schweren Verbrennungen in der Toskana. Im wirklichen Leben starb er an einer Ruhr im Krankenhaus Wehrle in Salzburg. Bis auf den Beruf und den Entdeckungen sind keinerlei Ähnlichkeiten festzustellen. Der Charakter in dem Buch sowie dem Film „der englische Patient“ ist also reine Fiktion.

 
© Stefanie Auzinger
 
 
 
 
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