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  Sonntag - 07.01.07  
 
Paradise City
Punk in Island

Überall auf der Welt, wo Menschen zusammenleben, gibt es Gruppen, die unzufrieden sind und die nicht dazugehören. Manchmal sind sie nicht damit einverstanden, wie Dinge laufen, manchmal sind sie einfach nur gelangweilt, aber meistens ist es ein bisschen von beidem. Sie tragen Flicken und haben eigenartige Frisuren. Wir nennen sie Punks. Auch hier im guten, alten Island haben wir sie. Eine Gruppe Jugendlicher, die nirgendwo hingehören, aber den Kopf voller Ideen haben. Die heutige Punkszene in Reykjavik hat sich aus einer New Metall Szene entwickelt. 1998 war diese mit den wenigen Punkbands, die es gab, sehr verbunden. Die Nu Metal Bands hielten sich nicht lange, und aus ihren Bruchstücken erhoben sich diverse Metalcore Bands. Metal und Metalcore Bands machten dann die Szene aus, doch mit den Jahren orientierte sich die Metalcore Seite immer mehr in Richtung Hardcore/Punk und die Szenen trennten sich langsam. Heute gibt es zwei unterschiedliche Szenen, obwohl sie noch untereinander verbunden sind, und die aktiven Leute zusammen an größeren Projekten arbeiten.

Die Dinge laufen hier ein bisschen anders, als in den meisten großen Ländern, wo verschiedene Typen von Hardcore/Punk Bands die Szene in der Hand halten, und doch die meisten Bands gleich klingen. Hier gründen die meisten Leute eine Band, weil noch niemand den gleichen Stil spielt, und sie finden, dass dies in der Szene fehlt. Hauptsächlich gründen wir eine Band, damit die Leute hören, was wir mögen. Es gibt wirklich nur eine handvoll von Leuten, die die ganze Arbeit tun, doch diese sind Leute sind sehr engagiert und wir erreichen unglaublich viel. Wir haben ein paar wirklich aktive Bands und regelmäßig Shows, meistens in einem Cafe namens Kaffi Hljómalind, wo wir umsonst auftreten können.

Seit sieben Jahre beschäftige ich mich aktiv mit dem Punkrock und seit fünf Jahren bin ich aktives Mitglied der Szene. In dieser kurzen Zeit hat sich einiges verändert, ich habe Leute kommen und gehen sehen, Projekte wurden begonnen und starben, aber jetzt ist Punkrock in Reykjavik stärker als jemals zuvor. Der Geist von D.I.Y. war noch niemals so lebendig. Wir haben eine Gruppe für Tierrechte in der Szene und eine anarchistische/aktivistische Bibliothek. Ich habe ein Plattenlabel, Banana Thrash Records, ich kümmere mich um den Plattenvertrieb und kümmere mich um den literarischen Vertrieb für die oben genannte Bibliothek. Außerdem spiele ich in drei aktiven Bands und mache Musik mit drei weiteren, die noch nicht so weit sind, um aufzutreten. Ich gebe Magazine heraus, Aumingi („Schlappschwanz/Versager“, Anm.d.Red.) und Thrashed Potatoes, und arbeite an einem dritten.

Es ist schwierig die gesamte Szene zu beschreiben, und um was es alles geht. Die Bands und Organisationen aufzuzählen, wird jemandem nur sehen lassen, dass in unserer kleinen Gemeinschaft viel los ist, es wird aber nicht wirklich verstehen helfen, warum Leute wie ich sich so leidenschaftlich mit dieser Szene auseinandersetzen und warum wir bereit sind, fast unsere ganze Freizeit dafür zu opfern. Aber zu einer Show zu kommen, und deine Freunde auf der Bühne zu sehen, wie sie unglaubliche Musik spielen; durch CD´s zu stöbern und zu sehen, dass jemand die Nerven hat ein Magazin herauszugeben. Du siehst, dass ein rebellisches Kind die Show nur aufgezogen hat, um gute Bands zu sehen oder weil ihm langweilig war… Seine Freunde helfen ihm mit der Ausrüstung und niemand interessiert sich dafür Geld zu verdienen. Jeder will nur, dass diese Szene am leben bleibt. Es ist eine lebende, atmende Gemeinschaft. Und wenn Bands es schaffen, wenn sie durch Europa und Amerika touren, zurückkommen und aufgeregt erzählen, dass es eine der besten Shows aller Zeiten war, dann realisiere ich, dass es wert war all diese Zeit zu investieren. Das ist es wert, mein ganzes Leben lang. Und der ganze andere Mist, wie arbeiten oder zur Schule gehen, wird niemals soviel verändern können.


© Fannar Örn Karlsson
 
 
 
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