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  Sonntag - 07.01.07  
 
Interview mit Sammy von Private Line

„Wenn Du es nur hart genug versuchst, dann ist alles möglich!“


Die finnische Rockband Privat Line brachte Anfang November neues Album „Evel Knievel Factor“ heraus und lud Jalicano ein, sich mit Sänger Sammy zu unterhalten. Heraus kam ein Gespräch über Musik und die Dinge, die man im Leben auf keinen Fall verpassen sollte.

JC: Ihr habt gerade Euer zweites Album herausgebracht. Für die, die es noch nicht gehört haben, beschreib es doch bitte einmal in ein paar Worten.

Sammy: Es ist wirklich gut! Im Vergleich zu „21st Century Pirates“ sind die harten Songs noch härter geworden und die ruhigen noch weicher. Die Bandbreite ist größer geworden. Ja, und es ist einfach besser.

JC: Ihr habt Euer Album nach Evel Knievel benannt. Was ist so besonders an ihm?

Sammy: Nun, es geht nicht nur um seinen Namen. Der Evel Knievel Faktor ist das, was ihm passiert ist, und was heute vielen Rockbands passiert. Evel Knievel war dieser Stuntman, ein Draufgänger, der viele Male scheiterte und abstürzte. Und jedes Mal, wenn er sich ein Bein oder etwas anderes brach, interessierten die Leute sich mehr für seine Show. Man wollte ihn sehen, weil es sein letztes Mal hätte sein können. Jedes Mal hätte er wirklich tot sein können. Er hat einfach zu harte Sachen versucht. Genauso ist es mit den Rockbands. Jeder will die Rolling Stones sehen, weil sie immer noch da sind, aber niemand weiß wie lange noch.

Es ist alles eine Einstellungssache. Dieser Evel Knievel machte all diese Stunts und Dinge, die beinahe unmöglich waren. Wir haben den Namen übernommen, weil wir auch fast alles alleine gemacht haben. Ich habe es zum größten Teil selbst produziert und aufgenommen haben wir es auch alleine. Der Evel Knievel Faktor war, dass wir uns die ganze Zeit auf uns selbst verlassen mussten, selbst wenn wir gescheitert wären, mussten wir diese Chance ergreifen. Es läuft nicht alles immer glatt, wenn man eine Platte selbst produziert. Manchmal waren wir ganz schön erschöpft und haben uns gefragt, ob wir auch das Richtige machen. Aber wir fühlten, dass es das Richtige war. Für uns klang es einfach gut. Aber du weißt nie, wie es ankommt. Wir hätten auch dahinter stehen müssen, wenn es ein Reinfall gewesen wäre.

JC: Was hat Euch zu diesem Album inspiriert?

Sammy: Musikalisch waren es wirklich viele Dinge, genauso wie textlich. Ich hab mir mit Ilari viel dieses elektronische Zeug angehört. Vielleicht hätten wir mehr davon reinbringen sollen, aber irgendwie wollten wir das Album auch nicht damit überladen. Es sollte groß und rau klingen und wir wollten es nicht überarbeiten, bis es irgendwann billig klingt. Wir wollten schon überarbeitet klingen, aber immer noch rau.

Textlich werde ich immer von Büchern inspiriert. Zum Beispiel der Song „Billion Star Hotel“ fiel mir ein, als ich Sonny Bargers Hells Angels Biografie las. Diese Hells Angels nennen es Billion Star Hotel, wenn sie durch die Wüste fahren und nicht in den teuren Hotels schlafen wollen, also stellen sie ihr Motorrad einfach da ab, wo sie wollen und wenn sie betrunken sind, bleiben sie einfach liegen. Sie sagen: „Warum sollte ich für ein 5 Sterne Hotel zahlen, wenn ich unter 1000 Sternen schlafen kann?“ Und der Song „Porzac Nation“ wurde von dem gleichnamigen Buch von Elizabeth Wurtzel inspiriert. Es ist gleichzeitig ihre Biografie und eine Geschichte über die Drogenkultur. Wenn du dich ein bisschen krank fühlst, gibt es immer irgendwelche Pillen dagegen. Meistens sind es wirklich Bücher, die mich inspirieren, aber es können auch Filme sein, oder Situationen in meinem Leben. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

JC: Viele Eurer Texte sind wirklich ausdrucksstark. Was versuchst Du mit ihnen rüberzubringen?

Sammy: Ich weiß es nicht. Ich möchte nicht sagen, dies ist richtig oder falsch. Ich spreche über Dinge, die nicht alltäglich sind. Natürlich mag ich auch diese Partysongs, aber so was ist nicht wirklich mein Ding. Es gibt schon so viele Texte, wie „Oh, er hat mich verlassen“ oder „Oh, es geht mir so schlecht“. An so was bin ich nicht interessiert. Mich interessiert, was jeden Tag um uns passiert.

JC: Wodurch unterscheidet Private Line sich von anderen finnischen Bands?

Sammy: Darüber haben wir noch gar nicht nachgedacht. Wir hatten immer eine Vision davon, was für eine Band wir sein und wie wir klingen wollen. Wir wollen echt klingen, wie Private Line. Ich kann das nicht richtig erklären. Wenn wir an einem neuen Song arbeiten, fragen wir uns immer: „Klingt das auch nach Private Line?“ So etwas kann man nicht erklären, man fühlt es. Wir wollen Rock & Roll machen, und zwar so, wie er im 21. Jahrhundert klingen sollte. Ich denke schon, dass wir anders sind als die anderen finnischen Bands, aber in wieweit, das kann ich nicht sagen. Vielleicht sind wir einfach nicht so gothic wie andere. In den meisten finnischen Bands findest du Gothicelemente. Das findet man bei uns nicht. Wir sind einfach Private Line. Ich mag viele der finnischen Bands, aber ich könnte nicht sagen, welche uns ähnlich ist.
JC: Plant Ihr in Zukunft die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern? Es gab da einmal diesen Song von Euch „Junkies Love“…

Sammy: Ja, den haben wir mit Antti und Sir Christus von Negative gemacht. Aber ich weiß nicht, ob wir so was noch einmal machen. Zumindest gibt es bisher keine Pläne.

JC: Ihr wolltet „21st Century Pirates“ in den USA veröffentlichen, aber durch „Viva La Bam2“ verzögerte sich das alles endlos. Welche Pläne habt Ihr jetzt damit?

Sammy: Momentan keine. Ich weiß gar nicht so viel über die Situation. Aber es kotzt einen schon an. Es lief alles so gut und wir wollten, dass das Album dort erscheint, bevor wir hier unser neues herauskommt. Wir sind nicht zufrieden damit, wie die Dinge gelaufen sind und nun suchen wir ein anderes amerikanisches Label für unser Album „Evel Knievel Factor“.

JC: Wenn Du nicht bei Private Line wärst, würdest Du trotzdem Musik machen?

Sammy: Ja, ich denke schon. Ich mache schon mein ganzes Leben Musik. Ich habe ein eigenes kleines Studio und bin dort eigentlich jeden Tag. Es ist Arbeit und Hobby zugleich. Es ist etwas, das ich liebe.

JC: Nenne eine Sache, die jeder einmal in seinem Leben getan haben sollt.

Sammy: Die Menschen, die man gern hat, gut behandeln. Mindestens einmal, aber eigentlich jeden Tag. Nur einmal, denke ich, solltest du dir richtig Mühe gegeben haben. Was noch … Helsinki besuchen!

JC: Warum Helsinki? Gefällt es Dir dort?

Sammy: Natürlich, ich lebe dort. Es gibt viele Orte, die ich mag. Die Stadt, in der du lebst, erscheint dir oft etwas langweilig, nicht mehr so interessant. Aber wenn du lange woanders warst und zurückkommst, dann ist alles neu, frisch und aufregend. Es gibt hier viele Dinge, die man gesehen haben sollte.

JC: Gibt es einen Traum, denn Du Dir erfüllen willst?

Sammy: Wir haben schon mit vielen Künstlern gespielt, die wir bewundern. Zum Beispiel Mötley Crüe und wir unterstützten Alice Cooper, und letzten Winter tourten wir durch Schweden und Finnland mit Disneyland After Dark, die sich heute nur noch D.A.D. nennen. Das ist eine meiner Lieblingsbands. Wir haben schon mit vielen Künstlern gespielt, die ich schon mein ganzes Leben höre. Ich weiß also nicht… Aber ein Traum wäre es ein Album zu haben, das weltweiten Erfolg hat und dann auf Welttournee zu gehen.

JC: Hast Du eine Lebensphilosophie?

Sammy: Schwierige Frage… Sei du selbst und tue die Dinge, die du liebst. Glaub immer an dich. Wenn du es nur hart genug versuchst, kannst du alles schaffen.


© Elin Vermeulen

Weitere Infos: www.myspace.com/privateline
 
 
 
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