Themen > In Aktion > Das geträumte Interview  
       
  Montag - 08.01.07  
 
Das geträumte Interview
I. Cedric Diggory

Wer kennt sie nicht, die Romanreihe "Harry Potter" von Joanne K. Rowling? Millionen lesen voller Faszination die Geschichte des jungen Zauberers und seinen Freunden. Doch die wenigsten wissen: Diese Geschichten sind mehr als reine Fiktion! Bei meinen Recherchen zum Thema Zauberei, Hogwarts und der Bedrohung durch "Der-dessen-Namen-nicht-genannt- wird", fiel mir ein Charakter besonders durch seine Erscheinung und sein späteres Ausscheiden aus den Büchern auf. Sein Name ist Cedric Diggory!

Die Faszination auf diesem Charakter lag bei seiner Selbstlosigkeit und der Fürsorglichkeit, die er Harry entgegen bringt. Denn wir erinnern uns, er kam schon im dritten Band vor, wo er sich dafür aussprach, ein Quidditchmatch annullieren zu lassen, da Harry Potter, sein Gegenspieler dank ein paar Dementoren vom Besen fiel und keine Chance hatte, den Schnatz zu fangen und das Spiel für seine Mannschaft zu entscheiden. Oder wie er sich Peter Pettigrew selbstlos in den Weg stellte, um Harrys Leben zu retten.

So machte ich mich auf die Suche nach diesem Menschen, von dem behauptet wurde, er konnte schon in der vierten Klasse einen Wecker zum Tanzen bringen und sich gleichzeitig von ihm die Zeit vorsingen lassen.

Meine Suche führte mich nach Liverpool, einer Stadt im Westen Englands, wo er seinen Wohnsitz hat. Das Häuschen ist klein und bescheiden, liegt inmitten einer Landschaft, wie sie sich jeder wünscht, der ein wenig Abgeschiedenheit bevorzugt. Ein großer Garten umzäunt das Grundstück und ich musste mich zuerst einmal an zwei Border Collies vorbei drängeln, die versuchten, mich zu begrüßen, während deren Besitzer in der Tür auf mich wartete und schließlich einließ. Das Häuschen vermittelt das Flair, sich einfach wohlfühlen zu müssen. Alles passt, wie das Tüpfelchen auf dem I. Er führt mich in sein Wohnzimmer, was wohnlicher nicht sein kann. An der einen Wand befindet sich ein Kamin, welcher um diese Jahreszeit wohl immer für eine gute Temperatur sorgt und die Sofaelemente laden förmlich zum reinkuscheln ein.

Bei einer Tasse Tee beginnt schließlich unser Interview.
 

Kevin: Wie empfanden Sie die Zeit, oder anders gefragt: Was haben Sie gedacht, als Sie das erste Mal lasen, was JK Rowling sich so zusammen geschrieben hat?

Cedric: Beim dritten Band fand ich es noch herrlich. Wobei ich da ja nur kurze Erwähnung fand, um im vierten Band dann gleich abzutreten (lacht). Aber nein, ich muss gestehen, dass ich doch ein wenig enttäuscht von dem war, was sie getan hat.

Kevin: Hätten Sie lieber an Harrys Seite gekämpft?

Cedric: Natürlich... Ich glaube, das hätte jeder gerne! Zumindest wäre es, wenn ich nicht im vierten Band bereits gestorben wäre, nicht zu dem Desaster im fünften Band gekommen. 

Kevin: Welchem Desaster?

Cedric: Einem wundervollen Desaster namens Cho Chang!

Kevin: Wieso Desaster?

Cedric (sieht mich vielsagend an): Legen wir die Karten auf den Tisch! Hätte Frau Rowling mich nicht sterben lassen, wäre sie nie mit Harry zusammen gekommen. Sie kommt im fünften Band doch relativ emo rüber!
 
Wir merken, dass die Stimmung sich lockert... 

Kevin: Haben Sie denn heute noch Kontakt zu einem der Charaktere?

Cedric: Ja... Speziell erwähnt werden müssten hierbei Fred und George Weasley und natürlich Harry. Aber generell gab es auch nie wirkliche Differenzen mit den anderen. Man hat sich wohl bloß einfach aus den Augen verloren.

Kevin: Aber mal ernsthaft: Irgendwo muss doch etwas faul sein, wenn Sie theoretisch im vierten Teil sterben und hier aber wahrhaft vor mir sitzen.

Cedric (beginnt zu grinsen): Gegenfrage: Sind sie sicher, dass Sie noch keinen Geist gesehen haben?

Kevin (etwas verwirrt): Sie bringen mich in leichte Bedrängnis!

Cedric (lacht): Was denken Sie, wieso ich gerade diese Frage gestellt habe?

Kevin: Eigentlich bin ich der Interviewer und nicht Sie!

Cedric: Das stimmt, also fahren wir fort und ignorieren den Zustand einfach, dass ich gar nicht mehr existiere! (lacht)

Kevin: Sie haben es wirklich schön hier. Seien wir ehrlich: Kam das alles durch Harry Potter?

Cedric (lacht): Nein, meine Eltern hatten schon vorher für mich etwas Geld angelegt. Aber es ist interessant, dass mir die meisten Leute diese Frage stellen.

Kevin: Was hat sich denn seit Harry Potter verändert?

Cedric (überlegt): Eigentlich nicht viel, denn lange war ich ja nicht dabei. Das Einzige, was sich wohl geändert hat, ist die Tatsache, dass man bekannter geworden ist.

Kevin: Sie kommen in den Büchern rüber wie ein Streber. Entspricht das den Tatsachen, oder gibt’s da noch eine unbekannte Seite an Ihnen?

Cedric: Streber? Wer denkt sich denn so was aus? (lacht) Aber ja, natürlich gibt es da noch eine andere Seite. Sonst wäre das alles doch gar nicht auszuhalten.

Kevin: Wie wäre es, wenn Sie mal versuchen, die Seite raus zu lassen?

Cedric: Glauben Sie mir, das wollen Sie gar nicht.

Kevin: Ach, meinen Sie? (grinst)

Cedric: Meinen Sie, jemand der mit den Weasley Zwillingen befreundet ist, bleibt sein Leben lang ein Streber?

Kevin: Immer diese Gegenfragen...

Cedric: Tja, an Ihrer Stelle würde ich mich momentan fragen, ob ich meinen Beruf verfehlt habe... (grinst)

Kevin: Ich könnte ja jetzt damit anfangen: Was haben Sie denn in nächster Zeit so geplant... So als Toter?

Cedric: Vielleicht spiele ich in einem Horrorfilm die Hauptrolle (lacht). Nein, ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Da lasse ich mich überraschen.

Kevin: Ich will ja ehrlich gesagt noch nicht ganz glauben, dass alles aus Harry Potter irgendwie wahr sein soll.

Cedric: Sie erwarten doch jetzt nicht etwa von mir, dass ich anfange, zu zaubern, oder?

Kevin: Nur so ein kleiner Trick?

Cedric: Na gut...

Ich sehe, wie er aus seiner Tasche seinen Zauberstab zieht und eine kleine Schüssel auf dem Tisch zum schweben bringt.

Kevin: Wow!

Cedric: Beweis genug?

Ich nicke und er lässt die Schüssel wieder auf den Tisch sinken.

Kevin: Jetzt frage ich mich aber dennoch: Wenn das alles wahr ist, wieso sitzen Sie dann hier?

Cedric: Wussten Sie noch nicht, dass die unverzeihlichen Flüche gar nicht existieren und das alles nur Unsinn ist?

Kevin: Nein, aber klären Sie mich auf.

Cedric: Nun, das ist so: Frau Rowling brauchte einen Aufhänger, um das ganze Verbrechen anzuleiern und so dachte sie sich selbst die Zaubersprüche aus. Daran sind wir Zauberer völlig unschuldig.
 
Kevin: Also heißt das jetzt definitiv, dass Sie am Leben sind?

Cedric: Auf diese Frage muss ich doch jetzt nicht mehr wirklich antworten, oder?

Kevin: Nein, ich denke nicht! Gut, dann kommen wir jetzt mal zu den wirklich interessanten Fragen.

Cedric: Schießen Sie los...

Kevin: Wie war es eigentlich auf Hogwarts? Ich meine, eine Zauberschule ist doch etwas anderes als der normale Alltag, oder?

Cedric: Da haben sie Recht! Alleine schon die Tatsache, dass man erst später mit der Schule anfängt und nur sieben Jahre absitzen muss. Die Zeit im Allgemeinen war sehr aufregend. Ich bin ja fertig mit meinem Abschluss an der Schule und man hat in der Zauberwelt doch relativ gute Chancen mit so einer Ausbildung unter zu kommen. Für uns Zauberer stellt jedoch der Alltag der Muggel einen merkwürdigeren Zustand dar, als das, was wir haben, aber ich denke, das kommt daher, weil wir es nicht anders gewohnt sind.

Kevin: Was ist mit Voldemort? Ist er eigentlich noch aktiv?

Cedric: Ich sagte ja eben schon so etwas, dass Frau Rowling einen Aufhänger brauchte. In Wirklichkeit ist er nicht existent.

Kevin: Aber wieso dann dieses ganze Drum herum?

Cedric: Jede gute Geschichte braucht ihren Bösewicht und so auch die von Harry Potter. In Wirklichkeit ist Harry ein ganz normaler Junge, wie Sie und ich. Viele Geschehnisse aus den Büchern entsprechen zwar der Wahrheit, jedoch ist auch vieles frei erfunden. Und zu guterletzt wollen auch wir noch ein paar Geheimnisse bewahren, auch wenn Frau Rowling uns fast bis auf die Knochen auszieht (lacht).

Kevin: Das sagt vieles und doch gar nichts, oder?

Cedric: Auch das stimmt wiederum. (macht eine Pause, fährt aber dann fort) Erklären wir es mal so herum: Die Geschichte, die in den Büchern erzählt wird, ist der, die wir in Wirklichkeit haben sehr ähnlich. Und doch gibt es natürlich andere Dinge, um die wir uns kümmern müssen. Nur die heißen in dem Fall nicht Voldemort.

Kevin: Und was für Dinge sind das?

Cedric: Natürlich auch sämtliche Probleme, die in den Büchern beschrieben werden, also was im Zaubereiministerium so vor sich geht. Verhexte Toiletten, Toaster oder ähnliches. Und natürlich solche Dinge wie Düngerproben aus Norwegen (lacht).

Kevin: Wie kam Frau Rowling eigentlich auf all das?

Cedric: Das was ich weiß ist, dass sie einst einen Zauberer in der Verwandtschaft hatte und sich so in seine Welt stahl. Und schließlich kam sie darauf, eine Bücherserie zu erschaffen... Ich denke mir, so ist es gewesen. Zumindest wird das erzählt.

Kevin: Finden Sie es schade, dass Sie so früh aus den Büchern ausscheiden mussten?

Cedric: Einerseits ja, andererseits nein. Wissen Sie, Bestandteil des Buches zu sein erfordert auch ein gewisses Maß an Verantwortung. Noch heute kommen Leute auf mich zu und fragen, wie ich das verantworten konnte, aus dem Buch auszuscheiden und das auch noch auf diese Art. Jedoch lag das nicht in meiner Hand. Es war alles die Entscheidung von Frau Rowling.

Kevin: Würden Sie denn wieder einsteigen, wenn es möglich wäre?

Cedric: Ich weiß es nicht. Und andererseits würde sich Frau Rowling damit ja wohl selbst untreu, wenn sie plötzlich jemanden wieder belebt, der eigentlich gestorben ist.

Kevin: Aber in der Zauberwelt ist doch alles möglich, oder?

Cedric: Nun, leider gibt es auch bei uns Dinge, die unwiderruflich sind... Und dazu gehört wohl auch der Tod...

Schließlich verabschiede ich mich von Cedric und mache mich auf den Weg zurück in meine normale Welt. Ich bin froh, dass ich mir die Mühe gemacht habe, ihn zu treffen. Denn ich lernte einen netten und zuvorkommenden, jungen Mann kennen, der weiß, wo es in seinem Leben lang geht, auch wenn er für manche schon gestorben sein mag.

Das Interview träumte Kevin Halgrey

 
 
 
 Drucken   Seitenanfang
 
  © 2006 Jalicano - All rights reserved.