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Interview mit Jonne von Negative
„Wir wollen größer werden als Coca Cola“

Jonne: Hy, heute fühle ich mich nicht wie ein Sonnenschein.

JC: Aber du siehst wie einer aus.



Jonne: Nein, ich sehe scheiße aus.

JC: Hattet Ihr wenigstens eine gute Reise?

Jonne: Ja. Wir sind von Finnland hierher geflogen und kamen einen Tag vor unserem Konzert in Hamburg an. Da sind wir erst einmal auf die Reeperbahn gegangen und ich wurde ausgeraubt. Nein, war ein Scherz. Wir waren shoppen und ich habe großartige Schuhe gefunden! Ich konnte meine langen nicht länger tragen, ich bin nämlich kein He-Man. Ich hab nicht solche Muskeln. Deswegen habe ich Probleme mit meinen Knien, sie schmerzen die ganze Zeit.

JC: Ich hab dich mit den Schuhen auf der Bühne gesehen und dachte nur: Die sehen großartig aus, aber unbequem.

Jonne: Du hast einen guten Geschmack was Schuhe angeht. Und ich habe eine Obsession, was das angeht. Wenn ich Mädchen kennen lerne, checke ich immer zuerst ihre Schuhe.

JC: Wie fühlt es sich an wieder in Deutschland zu sein?

Jonne: Mehr als großartig! Die Shows sind ausverkauft. Wir sind erfolgreicher als wir erwartet haben. Es scheint als würden die Leute, die einmal bei einer Show waren, beim nächsten Mal ihre Freunde mitbringen. Und so werden unsere Shows von Mal zu Mal größer. Wir sind sechs Mitglieder in der Band und die Bühne ist zu klein für uns. *lacht* Ehrlich, der Geist der Band ist stärker als jemals zuvor. Wir nehmen uns, was uns gehört. Gestern hatten wir das lauteste Publikum aller Zeiten. Leipzig ist wirklich verrückt und ich werde mich an die Stadt erinnern. Sie haben so geschrieen, aber vielleicht kann Hannover das heute Nacht toppen. Und – ich liebe Eure deutschen Würstchen!

JC: Das ist Eure zweite Tour in Deutschland als Mainakt – was hat sich in der Zeit verändert?

Jonne: Dieses Mal haben wir viele Songs vom neuen Album. Wir machen längere Shows. Als wir mit HIM und The Rasmus auftraten, hatten wir 45 Minuten, aber das war einfach zu kurz! Ich hoffe, dass die Leute, die einmal unsere Live Show gesehen haben, wiederkommen werden. Und dieses Mal haben wir auch eine neue Supportband. Es ist wichtig eine Band zu haben, die anders ist als man selbst, damit das Publikum nicht gelangweilt ist. Dieses Mal sind wir besser, lauter und wilder!

JC: Was passiert nach einem Auftritt im Tourbus?

Jonne: Direkt nach einer Show reden wir backstage, aber im Bus haben wir alle unsere eigene Art zu entspannen. Man versucht einfach runterzukommen. Für mich wird es von Auftritt zu Auftritt schwieriger runterzukommen. Ich liege einfach auf der Couch und atme durch. Mein Körper ist mein Instrument, deswegen nehme ich keine Drogen und betrinke mich dann nicht. Ich chille einfach und rede etwas mit den anderen Jungs. Morgen hab ich mal einen Tag frei, also mal sehen… Manchmal sind wir zu müde um überhaupt irgendwas zu tun, aber normalerweise sehen wir Musikdvds. „Pink Floyd“, „Led Zeppelin“ und „Black Sabbath“.

JC: Wie geht Ihr mit Ärger in der Band um?


Jonne: Wir hatten einige Probleme, aber wir sind ja auch nur Menschen. Niemand von uns ist wütend auf den anderen. Wenn sechs Leute all dies zusammen machen, gibt es auch schwache Momente, aber wir kämpfen nicht miteinander. Wir sind in der Lage miteinander zu reden. Ich meine, wir haben alle Dämonen, niemand ist perfekt. Und wir finden immer eine Lösung. Du musst deine Freunde immer unterstützen.

JC: Nenn mir die drei nervigsten Dinge auf Tour.

Jonne: Das ist schwierig. Dreckige Sitze und Betten. Nach jeder Show will man duschen, das macht man dann, danach willst du ins Bett und alles ist dreckig! Und Klimaanlagen. Es gibt nicht nur drei nervige Dinge, aber ich kann dir die drei besten nennen: Liveshows, schlafen und essen! Und natürlich das Publikum!

JC: Ich habe gelesen, dass Ihr fast die Arbeit am neuen Album abgebrochen hattet?

Jonne: Das ist wahr. Wir hatten Probleme im Privatleben. Drei von uns haben sich von ihren Freundinnen getrennt. Deswegen mussten wir herausfinden, was für uns wichtig ist. Das Wichtigste ist, dass man immer ehrlich zu sich selbst ist! Wenn du eine Rolle spielst, oder so, dann merken das die Leute. Sei einfach du selbst.

Ich bin mir nicht sicher, ob wir kurz davor standen, uns zu trennen oder ob es einfach die schlimmste Krise in unserer Geschichte war. Wir nahmen ja das Album auf und währenddessen tourten wir mit HIM und The Rasmus und diese Tour gab uns etwas. Du kennst das sicherlich, manchmal hat man einfach Regentage. Aber jetzt sind wir uns näher als je zuvor! Ich denke, das Publikum merkt auch, dass wir eine großartige Zeit haben. Und wir haben nur eine Mission: Die beste Band der Welt zu sein! Nicht so sehr die beste, aber eine der größten. Wir wollen größer werden als Coca Cola. Diese Tour ist einfach die beste. In Russland war das Publikum wild, die Leute waren wirklich irre. Wirklich, früher war ich immer verwirrt, wenn jemand auf der Straße zu mir „Hallo“ sagt, aber heute ist es normal, es ist nun mal Teil meines Jobs.

JC: Wie waren die ersten Reaktionen auf das neue Album?


Jonne: 50/50. Einige waren etwas irritiert anderen hat es richtig gut gefallen. Dieses Album braucht länger bis es wirkt. Es ist nicht so einfach. Es gibt wirklich starke Melodien. Wenn du die Lieder auf der Akustikgitarre spielst, dann sind sie einfach, aber drum herum sind so viele Arrangements. Jedes Mal finde ich etwas Neues. Es ist ein wirklich starkes Album. Wenn es nur ein Wort dafür gebe, wäre es: Stark!

JC: Warum habt Ihr das neue Video in einem Zircus gedreht?

Jonne: Weil unser Album das Thema Zirkus hat. Dieses Mal wollten wir wirklich, dass Musik und Video Hand in Hand gehen. Wir fuhren also nach Köln, zu diesem Zirkus, der über 100 Jahre alt ist, und der heute immer noch durch Europa tourt. Wir waren also dort um unser Video zu drehen und es war eine wirklich tolle Erfahrung. Es gab dort Tiere und so, und Kinder sind Teil der Show. Da gab es diesen Jungen und dieses Mädchen, die Kinder des Zirkusbesitzers, in denen haben wir neue Fans gewonnen. Sie waren wirklich nett. Ich erinnere mich, dass sie mir immer Geschichten auf Deutsch erzählt haben, aber ich hab sie ja nicht verstanden! Doch es war so süß. In den Drehpausen nahmen sie meine Hand und führten mich zu den Kameras und so.

Außerdem ist es ein guter Start für das Album. Eine großartige Single. Und Christus hat zu dem Messerwerfer: „Trau dich!“, aber dieser wollte ihn nicht verletzen.

JC: Dein Tattoo zeigt die Noten aus „Lost Soul“. Warum ausgerechnet diese?

Jonne: Es ist der erste Song vom ersten Album. Damit hat alles begonnen. Auch Antti hat so ein Tattoo. Es ist wie Bruderschaft. Auf Tour teilen wir uns auch immer das Hotelzimmer. Aber ich weiß nicht, ob wir uns wirklich so nah sind.

JC: Wie fühlt es sich an, wenn die Fans Euch sagen, dass Eure Lieder ihnen Mut machen?

Jonne: Ich schreibe alles für mich selbst. Aber es ist schon immer toll, zu hören, dass diese Lieder anderen für ihr Leben etwas geben. Aber eigentlich schreibe ich nur so Zeug. Es ist wie mein Tagebuch.


Das Interview führte: Mary Kreye
 
 
 
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