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  Archiv > Literatur > Kolumnen > Psychos Dipshit > Wo der Hausmeister Französich lernt!  
 
   
 
 
 

 
 
 
Die Kolumne fällt diesen Monat aus, da mein Hirn mich im Stich ließ und auf Urlaub gefahren ist!








Jeder, der jetzt glaubt, dies entspräche der Wirklichkeit, sollte sich heute mal fragen, welcher Tag ist…

April, April! Wie könnt ihr nur daran zweifeln, dass mich mein Hirn im Stich lässt??? Aber gut… Weiter geht’s mit der Kolumne "Psychos Dipshit für den April 2007:

Wo der Hausmeiser Französisch lernt!


Ich habe ja nun schon ein paar Male angeschlagen, dass ich nebenher in dem Sekretariat einer Schule aushelfe. Man sollte meinen, dort gingen gebildete Leute aus und ein, es würde gepflegt gesprochen und es herrsche ein gewisses Niveau…

Doch weit gefehlt!

Das morgendliche Prozedere rund um die Krankheitsmeldungen ist noch das Geringste, was hier abgeht…

Fangen wir mal bei den Kleinigkeiten an: Jeden Morgen beginnt die Arbeitszeit mit dem Suchen und Finden des Gewohnheitskugelschreibers, da jeder Lehrer und ihr weiblicher Gegenpart glauben, er gehöre ihnen und ihn auf grausamste Weise wird er schließlich aus dem Sekretariat entführt. Das nächste ist der Vertretungsplan, bei dem es grundsätzlich passiert, dass er mindestens vier Mal neu geschrieben werden muss, da jedes Mal, wenn der Neue draussen ist, ein weiterer Lehrer anruft und sich krank meldet. Die Schulleitung kriegt davon regelmäßig ihre drei bis vier Zusammenbrüche täglich!

Das nächste sind die Schüler, die morgens schon mit voller Motivation ins Sekretariat kommen und berichten, ihnen ginge es schlecht. Es gibt mehrere Varianten: Zum einen die Schüler, die sich wacker halten und warten, bis sie daheim sind, um dann mit dem Reihern anzufangen, zum anderen die Schüler, welche gerade sagen können, ihnen ginge es schlecht und im nächsten Moment einen wahrhaftigen Beweis in 3D und Farbe auf den Teppich liefern und zu guterletzt jene, die mit dicken Backen vor dem Tresen stehen und, nachdem man sie etwa vier oder fünf Mal darum gebeten hat, auf die Toilette zu verschwinden, ihrer Übelkeit Nachdruck verleihen und uns damit wieder Arbeit bescheren. Das find ich doch nett. Den Schüler wird man in den nächsten zwei bis drei Tagen im Sekretariat dank des Geruchs nicht vergessen!

Von denen, die erzählen, dass sie brechen mussten und es aber zurückgehalten haben, indem sie es runter geschluckt haben, will ich gar nicht mal erzählen.

Na, wenn das mal kein gelungener Tagesanbruch ist…

Wenn der Laden dann mal langsam in Schwung kommt und alles läuft, sind zunächst nur kleine Rechtschreibfehler, oder Freudsche Versprecher das Schlimmste, was passiert.

Das nächste folgt dann, wenn einer der Schüler das Sekretariat betritt und vor dem Tresen steht, gedankenverloren in die Gegend starrt und auf die Frage, was er denn gerne möchte, mit "Kreide?" oder "Schere?" antwortet. Man weiß nicht, ob er fragt, ob wir eine auf dem Flur gefunden haben, oder ob jemand Kreide an die Wand geschmiert hat… Nein, eigentlich möchte er nur fragen, ob er neue Kreide für seine Klasse holen darf, ebenso der Fall mit der Schere. In solchen Fällen frage ich mich immer, ob die heutige Jugend keine vollständigen Sätze mehr hervorbringen kann. Denn dann würde mich auch das Ergebnis der PISA Studie nicht mehr wundern.

Das erstaunliche an dieser Eigenart ist, die Lehrer fangen genauso an! Nur dass in ihrem Fall das Objekt der Begierde durch irgendwelche Formulare oder Unterlagen ersetzt werden kann.

Das Beste jedoch sind jene Schüler, die hier rein stürmen und gleich bekannt geben, wo sie her kommen:
"Halt die Fresse, du Arsch!" ist das harmloseste, aber noch 'normalste', was die Jugend heute miteinander austauscht. Das ist beinahe noch zärtlich gemeint, was die Bedeutung angeht. Alleine sind die jeweiligen Schüler allerdings die zahmsten Kreaturen, die man in dem Zoo der jugendlichen Öffentlichkeit noch finden kann!

Ich arbeite nun schon etwa seit knappen zwei Jahren an verschiedenen Schulen im Umkreis und deren Sekretariate, aber irgendwie ist es auf jeder Schule gleich, was die Schüler betrifft. Nur die Lehrer und deren Mentalität ändert sich.

Manche Lehrer sind aber, wie ich schon andeutete, nicht besser, als ihre Schüler, egal auf welche Art von Schule sie gehen. Während die einen noch einen totalen Plan von ihrer Arbeit haben, gehen die anderen jede Stunde ins Sekretariat und fragen, wo und was sie nun eigentlich als Unterricht haben. Und dann wird sich gewundert, wenn die Schüler in diversen Klassenarbeiten mies abschneiden. War da nicht irgendwann auch mal die Rede von 'Pädagogischem Wissen', wenn man Lehrer werden sollte? Mittlerweile glaube ich, dass bei manchen das Studium sich eher um das Legen von Fliesen gekümmert hat, als um das Unterrichten von Kindern und Jugendlichen.

Man sagt immer, die Kinder sollen sich am Vorbild der Erwachsenen orientieren, aber was passiert, wenn die Erwachsenen genauso reagieren und agieren wie manche Kinder? Stress untereinander ist kein aussergewöhnlicher Fall mehr, genauso wenig wie das offene Streitgespräch zwischen Lehrern im Angesicht der Schüler.

Eltern, die ihre Kinder privat unterrichten wollen, da sie selbst Lehrer sind und sich dagegen wehren, sie stattdessen auf die Schule zu schicken, werden verurteilt und gezwungen, das zu tun, was ihnen der Staat vorschreibt.

Manche Leute sollten sich einmal Gedanken darum machen, was da heranwächst. Die Menschen, die ihre spätere Rente bezahlen! Wenn sie nicht lernen, nicht richtig lernen, wird aus ihnen nichts. Was augenblicklich noch gleichgültig erscheint, kann in ein paar Jahren verheerende Ausmaße annehmen, wenn die Schüler weder Ausbildungsplätze noch irgendwelche Gelegenheiten bekommen, sich zu entfalten und selbst zu verwirklichen. Wem heute die Nase eines Schülers nicht passt und ihn dementsprechend beurteilt und auch so handelt, der darf sich schuldig fühlen, wenn er später hört, dass der Schüler nie etwas aus sich machen konnte, weil er nie die Gelegenheit dazu bekam.

Letzten Endes stellt sich auch hier wieder heraus (ohne herablassend und garstig wirken zu wollen): Lehrer und Pädagogen sind genau solche Arschlöcher, wie andere Menschen, auch wenn sie glauben, sie seien etwas besseres, oder eine andere Art von Mensch. Das Niveau in den heutigen Schulen ist mittlerweile so gesunken, dass es mittlerweile kaum mehr einen Unterschied macht, ob manche Schüler überhaupt in die Schule gehen, oder nicht.

Ein Faktor dabei ist an manchen Schulen auch, wo der Schüler her kommt und welche Eltern, oder explizit ausgedrückt – welches Guthaben auf den Konten der Eltern liegt, wie er behandelt wird. Das Thema auszuweiten würde mich jetzt Stunden kosten und sicherlich würde ich mich dabei etliche Male ordentlich im Ton vergreifen, deswegen spreche ich es nur einmal probeweise an.

Wie sagte einst Albert Einstein so schön? 'Die Dummheit des Menschen und das Universum ist unendlich… Beim Universum bin ich mir allerdings nicht so sicher!' – Irgendwie geht mir dieser Spruch ein paar mal durch den Kopf, wenn ich morgens im Sekretariat sitze und die Zeit dahin fließt… Bis zum nächsten Mal, wenn ein Schüler das Sekretariat betritt und erwartet, man könne Gedanken lesen, wenn er fragt: "Kreide?"

Kevin Halgrey
 
 
 
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