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Teil 2 - Ja ist denn heut schon Weihnachten?

Diese Frage sollten sich manche mal ernsthaft stellen, wenn ich das so sehe, dass sich die Leute sogar im Baumarkt um die Ware kloppen.

Wir haben kurz vor Weihnachten, es ist verständlich, dass die Leute mehr kaufen, als normal, da sie nicht die Gelegenheit haben, über drei Tage hinweg den Supermärkten das Geld in den Rachen zu schmeißen, also heißt das, dass die Leute in der Woche das Geld verpulvern müssen, um über diese drei Tage, etwas zu futtern haben.

Man hat den Eindruck, der dritte Weltkrieg ist ausgebrochen und im Laden kloppen sich zwei Frauen um einen Sack Mehl, der, wenn sie Glück haben, nicht nur an sie beide, sondern auch an die umliegende Bevölkerung verteilt wird... Das nenn ich doch mal freigiebig.

Gerade heute war ich mit meiner Familie in einem Baumarkt, da sich mein Vater den langgehegten Wunsch eines Kompressors erfüllen wollte. Er war im Angebot und von daher war es eine gute Idee. Erst einmal warteten wir auf jemanden, der uns beraten konnte. Während also mein Vater in der Reihe der Kompressoren wartete, schlich ich mich mit meiner Mutter in die Weihnachtsabteilung, wo wir Kerzenständer und anderes weihnachtliches Zeug begutachteten. Ich durfte meiner Mutter die Preise vorlesen, weil sie das nicht mehr so kann und sie fand das alles auch sehr hübsch. Sie entschied sich dann auch für so zwei bis drei kleine Tongefäße, in die solche Sterne eingelassen waren, wo man ein Teelicht reinstellt. Sie betrauerte ja immer noch den Verlust ihrer leuchtenden Häuschen, also musste nun ein Ersatz her. Aber wir würden die dann später, wenn Papa den Kompressor hatte, mitnehmen – So meine Mutter. Das wäre jetzt zuviel Tragerei... Okay...

Danach haben wir dann den Stand entdeckt, wo die Solarleuchten verkauft wurden. Meine Familie war schon im Herbst erpicht darauf, welche zu kaufen, aber da diese damals in Mode waren, gab es nirgends mehr welche, oder sie waren zu teuer. Na gut... Aber auf dem Weg dorthin wurde uns so ziemlich alles verdorben, was nur möglich ist. Während mir ein freundlicher Verkäufer fast die Haken abfuhr mit seinem dämlichen Hubwagen, spielten zwei Jungs im Alter von etwa zehn Jahren in dem Geschäft Fangen, was ich ja nun schon mal so gar nicht ab kann. Wieso können manche Eltern ihre Kinder nicht einfach in Zaum halten? Ich habe schließlich mit einer lauten Äußerung, in der ich mich darüber beschwerte, wie man solch erwachsene Menschen nur frei rumlaufen lassen kann, dass sie Kinder kriegen dürfen und dass man eben jene kastrieren müsste, die Jungs mitsamt Eltern in die Ferne getrieben. Aber deren Blicke hätten Sie mal sehen sollen... Das war doch mal ein kleiner Höhepunkt...

Teppichböden... können ja so etwas phantastisches sein... Wir stehen vor der Reihe, die fünf Meter breite Teppichware verkaufen und ich drücke diesen wundervollen Knopf womit man als kleines Kind irgendwelche kaufsüchtigen Kunden in den Wahnsinn treiben kann und grinse dabei leicht, während meine Mutter sich die herunterfahrenden Teppichböden ansieht. Nichts dabei... Fünf Meter... Wir merken uns das.

Aber gehen wir zurück zu unserem Kompressor. Mein Vater steht immer noch lustig in der Reihe, ist inzwischen sogar schon einmal auf Toilette gegangen – Einwurf zwischendurch: Kennen Sie das? Sie gehen mit ihrem Mann in einen Großmarkt und es dauert nicht lange und schon plagt ihn ein wichtiges Anhängsel, welches ab und zu mal entleert werden muss... Ich sage Ihnen, mein Vater kennt sämtliche Toiletten der Umgebung innerhalb von irgendwelchen Großmärkten. Aber kehren wir zu dem Satz zurück, den ich begonnen hatte: – und wartet immer noch auf den zuständigen Berater für Kompressoren. Dabei kommt dann das Gespräch auf die von uns eben gesichteten Teppichböden. Meine Mutter berichtet, dass wir ja fünf Meter im Wohnzimmer bräuchten, woraufhin mein Vater ihr antwortet:
"Nein, wir brauchen vier Meter." Bevor ein Streit ausbricht, einigt man sich darauf, dass man, bevor man ihn kaufen geht, erst noch einmal ausmessen sollte, was Sache ist. Keine schlechte Idee...

Ich hocke mich inzwischen auf eine Palette, die da so herum steht, weil ich keine Lust habe, mir die Beine in den Bauch zu stehen und auf den Berater zu waren, der sowieso nicht kommt. Zumindest dachte ich das. Wenig später kam sogar jemand! Und der konnte uns sogar auch noch beraten. Es war allerdings eine Sache von fünf Minuten, da mein Vater das Gesehene gleich mitgenommen hat, also wozu brauchten wir dann den Berater? Der Kompressor wurde durch die Wartezeit auch nicht billiger...

Auf dem Weg zur Kasse, gingen meine Mutter und ich nun wieder zu den Weihnachtssachen, weil sie ja so ein paar schöne Dinge mitnehmen wollte. Wieder endloses Preisvorlesen und ich stehle mich dann schließlich, nachdem sie etwa drei der schönen Dinger eingepackt hat, zu meinem Vater an die Kasse. Dort entdecke ich die Tiefkühltruhe und schlüpfe flucks in die Rolle eines Kleinkindes:
"Mama, darf ich ein Eis?", frage ich kindlich und sie antwortet mir:
"Ja, aber schau aufs Verfallsdatum..." Ich nehme mir also ein Eis aus der Truhe und lege es neben den Sixpack Colorgläser, die meine Mutter an der Kasse entdeckt hat, nachdem sie die Tongefäße wieder zurück in das Regal gestellt hatte, weil der Sixpack ungefähr genauso viel kostete, wie die zwei Tongefäße zusammen...

Ich liebe Weihnachten...


© Kevin Halgrey
 
 
 
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