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Teil 1 - Advent, Advent...

Es ist mal wieder soweit. Es fängt an zu schneien, draussen wird es so kalt, dass man sich den Hintern abfriert und man nur mehr die Hälfte der Gesichter sieht, wenn Leute an einem vorbei laufen, da alles andere in dicke Jacken und Schals eingewickelt ist.

Und die Welt ist besessen... Die Welt ist so besessen, dass sich in den Einkaufszentren nahezu Massenaufläufe tummeln. Was wollen diese Leute? Sie wollen nur eines: Adventssachen kaufen! Adventskränze, Rauscheengel, dicke Weihnachtsmänner, in roten Mänteln (wobei wir hier an der Stelle einen Dank an Coca Cola aussprechen, die das Gerücht verbreitet haben, der Weihnachtsmann sei rot und nicht braun oder grün gekleidet...) und allen möglichen Firlefanz wie Strohsterne und Teelichter.

Hier in Deutschland läuft das Ganze immer noch etwas gemäßigter ab als in Amerika, wo man Angst haben muss, der Strom fällt aus, weil sich irgendwelche verrückten Amis damit vergnügen, ihr Haus mit Lichterketten und so weiter auszustatten wie Chevy Chase in "Schöne Bescherung".

Die Einkaufszentren laufen über und wenn sich die Leute dann nach Hause getummelt haben, fangen sie an, ihren Haushalt mit den gekauften Dingen zu verschlimmschönern.
Gerade heute lief es bei uns genauso ab.

Ich komme gerade aus meinem Kabuff und betrete das Wohnzimmer, als ich mich gleich schon wieder umdrehen möchte, denn vor mir stapeln sich die Kartons mit Weihnachtssachen. Nicht, dass ich Weihnachten nicht mag oder dergleichen. Ich kann nur diesen Vorweihnachtsstress nicht leiden und ich drücke mich meistens davor, irgendwo mitzumachen, wenn es heißt: Wir backen Plätzchen, oder gestalten unsere Freizeit mit dem Anhören von Weihnachtsliedern. Ich habe nichts dagegen, wenn sich die Leute eine Weihnachts-CD nach der anderen einverleiben, aber bis auf den Heiligen Abend und dessen folgende Tage, habe ich sonst nicht viel dafür übrig. Ich bin schwer in Weihnachtsstimmung zu bringen – eher breitet sich in mir diese Stimmung aus, wenn ich zur Mitte des Jahres die ganzen Weihnachts-Folgen diverser Serien im Fernsehen sehe.

Meine Mutter ist gerade hoch dabei und freut sich, während mein Vater am Fenster hängt und dort waghalsige Kunststückchen vollführt, um einen Strohstern im Fenster anzubringen. Ich beschließe, doch mal kurz unten zu bleiben und zuzusehen, wie das Getummel so vor sich geht.

Während meine Mutter immer wieder über den Deckel einer Faltschachtel stolpert, geht mein Vater wieder hinauf auf den Speicher, um noch mehr Adventssachen zu holen. Meine Mutter freut sich wie ein Lebkuchenpferd und ich fasse den Keramikweihnachtsmann ins Auge, der irgendwie den Gesichtsausdruck vermittelt, wie Ossi Osbourne auf LSD. Ich grinse über mich selbst und sehe, wie mein Vater mit einem weiteren Karton im Arm das Zimmer betritt.
"Wo sind denn meine Häuschen?", fragt meine Mutter schließlich. Damit meint sie diese kleinen Keramikhäuschen, wo man Teelichter reinstellt und es von außen so aussieht, als würde darin das Licht leuchten. Mein Vater durchsucht die Kiste, kann sie aber nicht finden. Ich überlege unterdessen, ob ich im vergangenen Jahr irgendwann die fixe Idee hatte, diese Dinger als Unterkunft für meinen Hamster zu verunstalten, aber ich verwerfe den Gedanken schnell wieder.

Ich muss mich beim Beobachten meines Vaters immer wieder an das Szenario von Heinz Becker erinnern, dessen Sendung immer zu Heilig Abend im Fernseher läuft und er jedes Jahr den Christbaum umwirft, weil er angeblich schief steht. Chaos!

Der große Augenblick folgt schließlich, als mein Vater auf dem Dachboden seinen Hernhuterstern findet und sich darüber freut, dass er noch da ist und er ihn nun im Flur aufhängen kann.
"Der war aber so dunkel!", fängt die Diskussion mit meiner Mutter an. Mein Vater, ganz von sich überzeugt und weil man seinen Stern beleidigt hat, verzieht das Gesicht und grummelt sich etwas in den Bart, bevor er in die Küche geht und schaut, ob er nicht noch eine 40 Watt Glühlampe hat, die er dafür verwenden kann. Und wirklich, er findet eine. Na, das ist doch was. Mutter glücklich, Vater glücklich und alles sieht aus, wie kurz vor Weihnachten.

Morgen wird mein Vater wohl noch nach draussen gehen, um das Vogelhäuschen aufzustellen und sich dann wieder maßlos darüber ärgern, dass das Plastikteil, welches er letztes Jahr dort eingebaut hat, wieder in seine Einzelteile zerfällt, weil der Heißkleber mürbe geworden ist.

Ich freue mich schon sehr darauf!


© Kevin Halgrey

Weiter:  Teil 2 - Ja ist denn heut schon Weihnachten?
 
 
 
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