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  Archiv > Literatur > Kolumnen > Jede Freundschaft hat ihre Zeit > Wenn Leidenschaft vermehrt Leiden schafft  
 
   
 
 
 

 
 
 

Wenn Leidenschaft vermehrt Leiden schafft...

Leidenschaft“ - das Thema der neuen Ausgabe... sofort denkt man stereotyp an Sex, Liebe, Hass, Streit, Temperament und Hitze; sind dies doch die Schlagwörter unserer Gesellschaft, die es gelernt hat sich hinter Codierungen zu verstecken, um der Realität nicht von Angesicht zu Angesicht ausgesetzt sein zu müssen. Betrachtet man „Leidenschaft“ nun mit naivem Optimismus, verbergen sich dahinter lediglich tief ergreifende und zuweilen inbrünstig auszulebende Emotionen, doch da liegt der Hase ja bereits im Pfeffer: „Leidenschaft - durch Vernunft nicht bezähmbarer Gefühlsdrang; heftige Zuneigung, starke Begierde (Spielleidenschaft), Begeisterung. Das Wort wurde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts als Lehnübertragung des französischen passion gebildet. - Die moderne Psychologie spricht stattdessen von Affekt und Trieb." (Quelle: wissen.de). 

Macht man die Augen und Ohren auf, wird man von Schlagzeilen bombardiert, die von einer Insel berichten, die eigens für Pädophile in second life (Internetportal/virtuelle Realität) eingerichtet wurde, wo erschreckender Weise erst geprüft werden muss ob dies tatsächlich eine Straftat ist, denn es handle sich ja nicht um reale Personen; wenn man Berichte sieht, in denen gezeigt wird, wie alltäglich es wohl mittlerweile zu sein scheint, dass in Solarien und Toiletten heimlich gefilmt wird (bis hin zur gynäkologischen/urologischen Aufnahmen direkt aus der Schüssel ins Genital) und diese Filme, man soll es wohl noch bewundern als wirtschaftlichen Erfolg, reißenden Absatz im Netz finden; wenn man einen Artikel über Cyberstalking & Stalking liest, wo einem schier die Worte fehlen, für den Wahnsinn, der sich da wie ein Virus in unserer Gesellschaft ausbreitet; oder auch nur beim Spaziergang durch die Straßen, wenn man sieht, dass im Grunde fast jedes Produkt öffentlich-sexuell beworben wird (was man bei Duschbädern und Cremes vielleicht noch verstehen kann, aber was hat ein Pc mit einer nackten Frau zu tun?), dann mache ich mir ernstlich Sorgen über die entgleitende Codierung von Leidenschaft. Es geht wohl tatsächlich immer mehr auf Affekt ( mit seinen Erregungszuständen ) und vor allem Trieb ( “...eine dem Instinkt verwandte und vielleicht aus ihm herzuleitende, im Streben und in Affekthandlungen sich äußernde, primäre, weitgehend unbewusste Verhaltensgrundlage...“) zurück oder ist das lediglich ein gesellschaftliches Alibi sich hinter Urtrieben, Instinkten und Erregungszuständen zu verstecken?

Fakt ist, ein Mensch kann auf Verhalten konditioniert werden, was die Industrie für das Konsumverhalten nutzt, was man im Gruppenzwang wiederfindet, was sich nun langsam seinen Weg aus der im Hintergrund manipulierenden Deckung sucht, weil Zahlen, die belegen, dass über 80 Prozent des web aus Pornografie& Gewalt bestehen, längst nicht mehr so schockieren, und wir alle Mitwisser und Mittäter sind, denn keiner hat es verhindert. Ja, Schuldgefühle und Angst gegen den Strom zu laufen sind starke Waffen gegen uns selbst.

Aber können wir eben so erzwungen gelassen reagieren, wenn uns immer bewusster auch aufgezeigt wird (in Ton und Bild), dass Kinder und Jugendliche zu Hauptkonsumenten unserer Entgleisung, unserer Schwäche das zu schützen, was einst heilig und privat war (Sex, Liebe, Erfolg, Kunst... ) werden? Können wir ignorieren, wenn aus ihnen Konsumenten, Täter und Opfer werden, weil wir versäumt haben „Leidenschaft“ (Liebe, Sex, Streit...) statt „Leiden schaffen“ (Pornografie, Gewalt, Hass, Demütigung, Machtgeilheit, Sucht...) zu unterstützen?

Es ist doch erschreckend zu hören, dass sich 14jährige zu gang-bang-partys (meist eine Frau und mehrere Männer beim Gruppensex) verabreden, sich zu blowjob-dates in Parkhäusern treffen, ihre Mitschüler beim Gewaltakt gegen einen anderen filmen, sich Gonzos (billig produzierte Pornofilme, die sich meist aufs Genital beschränken und zunehmendst gewaltätiger werden) im web massenweise runterladen und, wacht auf, anschauen...!!! Ich stehe dem sehr ohnmächtig gegenüber um ehrlich zu sein!

Zudem beschäftigt mich natürlich besonders der Aspekt der neuen Stellung der  Frau... vielleicht ist es nicht jedem aufgefallen, doch bei allem Bemühen beidgeschlechtliche Beispiele zu finden, es ist hauptsächlich die Frau, die hier in eine sehr widerwärtige,eine öffentlich widerwärtige Position gedrängt wird. Die Gewalt, die Demütigung, die ständige Entblößung als Normalzustand und damit die Suggestion als Frau habe man immer „Beine breit“- bereit zu stehen, ist nicht zu leugnen. 

Vielleicht versuchen Männer ihren Machtverlust gegenüber Frauen zu kompensieren? Das soll aber gar nicht Thema sein, denn ich verstehe mich nicht als Feministin, dennoch empfinde ich mich, als Frau, und die Gesellschaft, besonders die neuen Generationen auf einem falschen Weg, egal ob man auf der Seite der Täter, der Opfer oder der Konsumenten steht, was schon wieder ein sehr weitfächriges Thema für sich wäre (Wie wird man zu Opfer, Täter, Konsument?)... jetzt soll es jedoch genügen der erbärmlichen Codierung von „Leidenschaft“ auf den Zahn zu fühlen.

Vielleicht, wie bei all den anderen Berichten und Plakaten und Nachrichten, streifen diese einen zwar für einen Moment, doch dann hat einen der Alltag wieder und man weiß von nichts, es betrifft einen ja nicht.... halt, mich schon, werden einige sagen... „einige“? Vermutlich, einige viele!

Auch ich muss mich tagtäglich mit den nackten Werbeträgern für bspw. Pcs auseinandersetzen. Und um die o.g. Frage zu beantworten: ja, der Pc und die Nackte ergeben eine verkaufsträchtige Assoziationskette... Frau-nackt-Pc-web-Pornos... und so weiter... das ist erschreckend und niederträchtig. Gott sei Dank, könnte man sagen, ist mir persönlich noch kein Leid angetan worden, aber da redet man wohl nur chiffriert von körperlichem Leid... auch ich hatte das ganz und gar nicht „Vergnügen“ mit einem Stalker und war neben meiner anfänglichen Ohnmacht hauptsächlich sehr wütend über die Opfer-Täter-Verwechslungsnummer bei der Polizei, wo ich mich vielleicht noch hätte entschuldigen sollen, dass ein wildfremder Mann mich mit sms und teils obzöner Post belästigt... ich hatte Glück, sollte an dieser Stelle erwähnt sein, ich habe mich nicht verschrecken lassen, habe einen Anwalt eingeschaltet (was ihn zumindest etwas eingeschüchtert hat) und blieb selbstbewusst stark und ungebrochen.

Dennoch, die Entwicklung ist kritisch,man sieht überall Brüste auf Plakatwänden, man sieht sich mit Pornos konfrontiert ( mit der funktionsorientierten Stellung der Frau), mit Gewalt und vor allem mit der Akzeptanz und der Förderung des Ganzen. Jeder, vor allem die, von denen man es nie erwarten würde, bekommt mehr und mehr eine Lobby, wird konditioniert auf pornografisches Sexualverhalten, Gewalt und Sucht. Es entstehen neue Plattformen um die Grenzen von Neigungen, Realitätsflucht, Machterzeugung und Krankheiten wie Pädophilie bspw. auszudehnen bis ins Grenzenlose. Wo soll das hinführen? Ich meine, bisher kam kein normaler Mensch auf die Idee einen Fremden von der Straße zu sich einzuladen um dem Baby beim Windeln oder Baden zuzuschauen. Warum dann im web? Wo ist da die elterliche Verantwortung, wo die Sicherheitsschranke, die man noch selbst betätigen könnte?

Fazit: Was einst Leidenschaft war, ist und wird, vor allem für Frauen und Kinder, mehr und mehr zur „Leiden schaffenden“ Alltagslandschaft. Eine beängstigende Entwicklung, der es endlich gilt Einhalt zu bieten, im Kleinen (Familie,web,Freunde..) wie im Großen (Gesellschaft, Industrie,web...).

© Christin Springer

 
 
 
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