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Jede Freundschaft hat ihre eigene Zeit

Es kursieren tausende Gerüchte herum, was alles belastend für eine Beziehung sein kann, was gar tödlich für eben diese sein kann. Es sind Dinge, die man erst bei Zeiten versteht und die dann zu Realitäten werden, die man besser nie erlebt hätte. Es handelt sich um Tatsachen, die man besser nie verstanden hätte und nun doch einsehen musste, dass sie eben wahr sind. Zu diesen Tatsachen zählen mutmaßliche Beziehungskiller wie: räumliche Trennung, Alltagstrott, Krankheiten (wie Alkoholismus, Depressionen, Essstörungen, Drogensucht...), Rollenverhalten, Religionen, Gesellschaftsstatus, Freunde (die als eingeschworene Gemeinschaft keinen Zutritt für dich gewähren und zur allgegenwärtigen Qual werden) und die Ex-Partner (die so genannten (S)Ex-Partner).
Freunde definieren sich über Erlebnisse miteinander und Intimität, freiwillige Geborgenheit und eine gemeinsame Vergangenheit, zumindest, die die man wirklich als enge Freunde bezeichnen würde. Der Deutsche hat im Durchschnitt 3,3 Prozent solcher Freunde.
Befragt man Männer jenseits ihrer jugendlichen Selbstdefinitionsphase nach ihrem besten Freund, so ist das, in den meisten Fällen auch heute noch die eigene Frau, denn nur mit ihr werden wirklich intime Momente geteilt, nur mit ihr werden wirklich jegliche guten und schlechten Zeiten erlebt, nur bei ihr fühlt man(n) sich richtig und bedingungslos geborgen. Natürlich ist das eine sehr pauschale Betrachtung, und mit Sicherheit in vielen Fällen abweichend, aber der Fakt, das Intimität ein wichtiges Freundschaftsmerkmal ist, bleibt.
Der Trend des Networking, zweckgebundene und themenbezogene Freundschaften zu führen, ist offensichtlich und in den meisten Fällen, haben wir wirkliche Freunde (Freund|schaft [f. 10] 1 auf Zuneigung, Wohlwollen und Vertrauen beruhendes Verhältnis), die diese Grenzen einer Bekanntschaft sprengen, noch aus den Kindertagen, aus der Schulzeit beispielsweise.
Im Laufe des weiteren Lebens begegnen uns nun Menschen, die wir networken oder mit denen wir intim werden. Intim ist nicht immer gleichzusetzen mit Sex, dennoch ist ein Merkmal von gemischtgeschlechtlichen Freundschaften (im Falle der Heterosexualität) zumindest eine sexuelle Spannung, die die Aufmerksamkeit aufrecht erhält, die anthropologisch betrachtet nicht zu leugnen geht. Unsere Gefühle bewegen sich in Kurven und fühlt man nun heute platonische Freundschaft, kann schon morgen aus Einsamkeit, Lust, Langeweile oder was auch immer, ein Begehren daraus werden. Was das bedeutet? Erstmal gar nichts; außer dass zwei Menschen miteinander ihre Form von Intimität und Geborgenheit leben. Aber was nun, wenn einer der beiden eine Beziehung mit einer dritten Person eingeht, eine Bindung aus Liebe mit ins Spiel kommt? Solch eine Konstellation ist wohl ebenso schwer tragbar, wie der Ex-Partner, an dem man sich messen lassen muss, wie ein Ex-Partner, der nun Freund oder Freundin ist, wie ein Ex-Partner, an dem man vorbeikommen muss um endlich in der Beziehung ankommen zu dürfen, und der selbst dann, durch den fehlenden Schlussstrich, noch so gegenwärtig ist, dass es einem schier die Luft zum Atmen nimmt.
Nun könnte man meinen, solch eine Situation sollte kein Problem sein, wenn jeder um seine Rolle in diesem Spiel weiß, dennoch trägt der Mensch, anthropologisch betrachtet, das Merkmal eines konfliktträchtigen Lebewesens mit innerseelischen Konflikten, die es einem regelrecht unmöglich machen, in einer solchen Konstellation zu überleben. Eine solche „Freundschaft“ kann der Dorn an der Rose sein, das Gift eines Fliegenpilzes, das Netz einer Spinne und einer Liebesbeziehung sehr schnell zum Verhängnis werden.
Ich weiß nur eines, es tut weh und Schmerz ist kein guter Begleiter für die Liebe. Es macht hilflos, denn man kann nicht einfach übermächtig daherkommen und den Dorn entfernen. Man sagt Liebe trägt einen über alle Täler, durch alle Sümpfe und verleiht einem Flügel... aber manchmal ist Liebe eben doch nicht alles und wenn diese dritten Menschen sich erdreisten zwei Liebende respektlos zu betrachten, sich dazwischen zu drängen, zu intrigieren und Spielchen zu treiben, sich anzumaßen zu verurteilen, das Vorrecht als Erstdagewesener annehmen, dann sollte vielleicht an der Freundschaft, die einst nur eine Zweckintimität gewesen ist, gezweifelt werden.
Keiner sagt, dass Menschsein einfach und schmerzfrei ist, und keiner sagt, dass Menschsein frei von Veränderungen und Entwicklung ist, also darf man wohl annehmen, dass dann und wann Freunde (welcher Art auch immer) eben nicht mehr Freunde sind. Oder?
Also, nehmen wir an, die/der (S)Ex-Partner(in) lässt nicht locker und sucht weiterhin nach intimen Momenten. Nehmen wir an, da wird ein Machtspiel ins Rollen gebracht, bei dem als Spielregel Nummer1 gilt: Die/der Neue muss sich seinen Platz erkämpfen und hat gegen mich (den (S)Ex-Partner) keine Chance... wir haben eine gemeinsame Vergangenheit und das ist dicker als jeglicher Anflug von eingebildeter Liebe. Nummer2: Allgegenwärtigkeit und gemeinsame Interessen werden schon verdeutlichen, dass unsere Intimität nicht ersetzbar ist. Ich ((S)Ex-Partner) bin nicht austauschbar. Nummer3: Als Erstdagewesener steht mir zu, mitzuentscheiden, wer und was gut für dich ist. Nummer4: Ich kenne dich und daher weiß ich, was ich tun und sagen muss, damit man mir ((S)Ex-Partner) glaubt. Nummer5: Egal was ich tue, der Schein, dass ich unschuldig bin, muss gewahrt werden und dafür muss auch ich ((S)Ex-Partner) selber an meine Unschuld glauben. Ich handle aus reinem Wissen und Gewissen. Nummer6: Seine/Ihre Freunde müssen meine Freunde sein und für mich ((S)Ex-Partner) und meine Gefühle Verständnis haben. Nummer7: Ich ((S)Ex-Partner) muss mit der mutmaßlich neuen Liebe Schönwetter spielen, so viel wie möglich, aber keinesfalls mehr als nötig.
Dein Fazit: Freunde oder Liebe? Freundschaft oder Beziehung?
Ich, für meinen Teil, ich bin gegangen.... denn meine Uhr kann nur zwei Zeiger haben... Nicht mein Kampf, nicht mein Spiel, nicht meine Zeit... Liebe ist eben doch nicht alles.... „Oder?“ fragt die Hoffnung ein letztes Mal.

Christin Springer
 
 
 
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